Hektik & Stress - oder gefangen im Zeitfenster

Lill von Seelenbotschaft - Februar 06, 2018

Hektik & Stress - oder gefangen im Zeitfenster

Ach du liebe Zeit!

Normalerweise sollte an dieser Stelle heute mein geplanter Sammelkalender stehen. Doch dann müsste ich schon für die Zukunft schreiben und ein passendes Bild hätte ich dazu noch gar nicht parat gehabt, denn noch blüht weder das Gänseblümchen in dieser Region, noch treibt schon der Löwenzahn aus.

Ich wollte der Zeit scheinbar schon weit voraus sein! Doch prompt flüsterte mir meine innere Stimme  zu: "Hey... bleib mal schön in der Gegenwart! Im Hier und Jetzt! Für den Sammelkalender ist es noch nicht an der Zeit! Mit etwas Achtsamkeit, wirst du wissen wann es so weit ist."

Die liebe Zeit ist einer der größten Sklaventreiber im Leben. Immer wieder verwundert es mich aufs Neue, wenn ich in der Stadt unterwegs bin. Pausenlos sind da sehr viele Menschen nur noch in Eile, Stress und Hektik unterwegs. Jedes mal muss ich mich selbst daran erinnern, mich nicht von dieser Rastlosigkeit anstecken zu lassen.

Wenn ich dem Treiben eine geraume Zeit zusehe, spüre ich innerlich, dass ich selbst in solchen Augenblicken dazu geneigt bin, ebenfalls unruhig und nervös, sowie viel hektischer zu werden. Es scheint, als würde man mit in diesen Sog gezogen.

(M)eine Geschichte in Kurzform

Als ich noch bei einer großen Möbel-Kette im Bereich Kassenverwaltung gearbeitet habe, steckte ich ebenfalls mitten in diesem Muster. Ich war damals noch Stolz auf meine Multitasking-Fähigkeit. Oft ging ich in diesen Tagen im Eilschritt schnell auf die Toilette, rauchte danach in drei Minuten eine Zigarette im Aufenthaltsraum und schob mir schnell zwischen zwei Kunden hinter den Kulissen einen Schokoriegel in den Mund. Ein kleiner Smalltalk mit Kollegen war nicht gerne gesehen, mein Zeitfenster war damals recht eng getaktet und die Verantwortung die ich derzeit trug, schien mir schon längst viel zu groß.

Nicht einmal Zuhause konnte ich wirklich entspannen oder mich erholen. Oft wurde ich während meines freien Tages oder dem Urlaub in die Firma zurückgerufen. Am Ende machte mich diese Arbeit, die Verantwortung und der selbstgemachte Stress, sowie viele weitere Kleinigkeiten seelisch und körperlich krank. Der Preis war viel zu hoch, dass Leben kam dabei eindeutig zu kurz. Ich reichte die Kündigung ein - am Ende meiner seelischen und körperlichen Kräfte!

Danach sank ich in ein ganz tiefes Loch, als ich plötzlich zur Ruhe kam und all die Lasten von mir abfielen. Ich brauchte sehr lange, bis ich mir schließlich ehrlich eingestehen konnte, dass ich inzwischen schon an einer tiefgreifenden Depression litt.

Die Welt um mich herum wurde täglich ein Stück weit unwichtiger und ich verkroch mich monatelang nur noch innerhalb der vier Wände. Ich heulte sehr viel vor Wut, Angst und auch vor lauter Verzweiflung. So oft dachte ich dabei ans Sterben und wollte nichts mehr sehen und nichts mehr hören, von der Welt das draußen!

(M)eine gegenwärtige Sicht

Diese Geschichte liegt inzwischen etwas mehr als zehn Jahre zurück und seither hat sich mein Leben und meine Sichtweise zum Thema Zeit grundsätzlich verändert.

  • Weg von Multitasking - hin zur Achtsamkeit
Heute gibt es in meinem Leben die Multitasking-Fähigkeit so gut wie gar nicht mehr. Wenn ich am essen bin, dann esse ich und lese nicht mehr nebenher eine Zeitschrift. Wenn es um den Haushalt geht, dann mache ich einen Schritt nach dem anderen. Mit dem Kopf bin ich nur noch beim jeweiligen Schritt und nicht mehr zehn Schritte voraus. Sollte etwas nicht fertig werden, dann bleibt es eben liegen.

  • Weg vom Zeitfenster - hin zur Spontanität
Inzwischen kann ich das Wort 'Zeitfenster' oder 'Terminkalender' nicht mehr hören. Solche Worte wie 'Ich habe keine Zeit' oder 'Ich muss mal im Terminkalender nachsehen' bringen mich zu einem kopfschüttelnden Grinsen. Wenn mir etwas sehr wichtig ist, dann nehme ich mir die Zeit und merke mir den Termin automatisch - nur selten schreibe ich mir etwas auf. Ich entscheide inzwischen meistens sehr spontan, zu was ich gerade im Augenblick wirklich Lust habe.

  • Weg vom Blick auf die Uhr - hin zum Gefühl
Es gibt im ganzen Haus vier Uhren, aber nur eine davon zeigt die aktuelle Uhrzeit an, alle anderen stehen still und dienen einfach nur als Dekoration. Eine Armbanduhr trage ich schon seit zehn Jahren nicht mehr. Und trotz dieser Umstände komme ich nicht zu spät, es sei denn ich komme wirklich unerwartet in einen Stau.

Höher, schneller, weiter...

Der Einzige, der etwas von unserem selbstgemachten Stress und unserer gar nicht so tollen Multitasking-Fähigkeit hat, ist der Arbeitgeber! Ganz ehrlich, für mich stellt sich das inzwischen meist nur noch als eine moderne Art der Sklaventreiberei dar!

Der Arbeitnehmer verliert die Motivation, vom Spaß an der Arbeit einmal ganz zu schweigen. Schlimmer noch, er wird über kurz oder lang krank davon und die inzwischen sehr weit verbreitete Depression und der stetig zunehmende Burnout zeigen es immer wieder sehr deutlich auf.

Ist das wirklich ein Leben - lebt man das eine Leben tatsächlich dafür?

So lange jeder einzelne Arbeitnehmer seine Leistung steigert, völlig am Limit läuft und vieles auf Kosten seiner Gesundheit auf einmal macht, so lange wird dieser auch weiter ausgebeutet werden.

Wie bekommt man so schön zu hören 'Da draußen wartet schon der nächste auf diesen Job'. Allein daran erkenne ich, dass ich einfach nur eine Nummer bin. Ein Rädchen das funktionieren muss! Als Mensch werde ich kaum erkannt oder wahrgenommen und nach meinem Befinden wird sowieso schon lange nicht mehr gefragt.

Das hört sich für mich so traurig an, zumal genau durch solchen Druck auch sehr viele Fehler in der Produktion und in vielen anderen Bereichen entstehen.

Ein 'höher, schneller und weiter' führt ganz gewiss nicht zu einem glücklichen Leben - es brennt einen ganz langsam und schleichend von innen aus. Man verbrennt innerlich! Aber ein glückliches Leben kommt aus dem Inneren, vom einem Leben im Moment.

Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann.
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach

Für mich ist vieles in Bezug auf die Zeit eine innere Einstellung und da draußen für kein Geld der Welt zu kaufen. Inzwischen weiß ich, dass weniger sehr oft viel mehr ist - vor allen Dingen in jedem Fall auch bedeutend gesünder!

Alles Liebe,
Lill ♥

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4 Kommentare

  1. Liebe Lill,
    sehr schöner Post, und klasse geschrieben
    ich habe ähnliche Erfahrung gemacht... und so wie Du schreibst :
    dass weniger sehr oft viel mehr ist und ich genieße die kleinen Dinge.
    Ganz liebe Grüße
    Karina

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    1. Liebe Karina,
      ich danke Dir für deinen Besuch, fürs Lesen, sowie natürlich auch fürs Schreiben deiner Worte. Ich freue mich sehr, wenn man seine selbstgemachten Erfahrungen mit mir teilt. Ich wünsche Dir einen wunderschönen Tag!

      Alles Liebe,
      Lill ♥

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  2. Liebe Lill,
    ich muss Dir so Recht geben, Du hast das wunderbar formuliert. Ein toller Beitrag, dessen Inhalt man sich merken sollte. Die kleinen Dinge genießen, das ist sowas von wichtig!

    Alles Liebe für Dich und auf einen netten Austausch!
    Monika

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    1. Liebe Monika,
      danke Dir fürs Lesen und den Austausch zum Post. Danke auch für deine Zeit, die Du mir gerade geschenkt hast ;o) Die Zeit die wir uns nehmen, ist Zeit, die uns etwas gibt. Hoffe, es trifft auch so bei Dir zu.

      Alles Liebe, Lill ♥

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Vielen lieben Dank fürs Lesen & Kommentieren und natürlich auch fürs Vorbeischauen auf Seelenvotschaft!